Nach dem Showdown am Herd folgt nun der Showdown im Internet.
Die große Frage: Wer bleibt letztlich auf der Strecke?!
Vor drei Monaten hatten die Media-N, Geschäftsführer Michael Nötzel, und die Stadtwerke vor dem Landgericht in Rostock bezüglich des strittigen Netznutzungsvertrages einen Vergleich erzielt: Für drei Monate sollte die Media-N zu den alten Konditionen des Kabelnetz der Stadtwerke nutzen dürfen. Ob damals keinem aufgefallen ist, dass das Ende des Vergleichs genau auf den Tag der Stichwahl zur Oberbürgermeister-Kandidatur in Neubrandenburg fiel? Das ist nur eine der vielen Fragen, die jetzt aufgeworfen werden. Fest steht: Media-N und Stadtwerke konnten sich nicht auf einen neuen Netznutzungsvertrag einigen. Etwa 3500 Kunden der Media-N könnten damit ab Sonntag ohne Internet- und Telefonie-Anschluss dastehen, falls Media-N den Schalter auf Aus stellt. Eine Meldung auch mit einer großen politischen Dimension, wie eine der bereits kolportierten Überschriften zeigt: "Hanson und Krüger schalten Media-N ab".
Was Ursache und Wirkung betrifft, gibt es allerdings völlig unterschiedliche Auffassung von Media-N und Stadtwerken, wie die Stellungnahme von Stadtwerke-Chef Holger Hanson gegenüber dem Nordkurier zeigt. Er sagte am Sonnabend gegen 21.15 Uhr, dass sich die Media-N-Anwälte auf das letzte Gesprächsangebot, das bis Sonnabend 20.30 Uhr verlängert worden sei, nicht gemeldet hätten.

noetzelHier zunächst die Mitteilung der Media-N an ihre Kunden:

"Hinweis an unsere Kunden
Sehr geehrte Kunden der Media-N,
bis zur letzten Minute haben wir darum gerungen, einen Netznutzungsvertrag mit der Neubrandenburg Medianet KFA (GmbH) abzuschließen, der uns faire Wettbewerbschancen einräumt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es kein Angebot eines neuen Vertrages durch die Geschäftsleitung der Neubrandenburger Stadtwerke. Der Geschäftsführung war bekannt, dass uns eine Netznutzung über den 31.5.2008 hinaus, ohne Vertrag oder eine schriftliche Zusage der Duldung, nicht mehr möglich ist. Deshalb müssen wir unsere Dienste auf den Kabelfernsehnetz abschalten. Internet und Telefonie sind ab dem 1.6.2008 nicht mehr möglich.
Wir erklären, dass wir diese Entwicklung auf das Äußerste bedauern. Gerne hätten wir Sie, als unsere Kunden, mit unseren Diensten weiter versorgt. Gerne hätten wir das auch zu Preisen getan, die Wettbewerber (auch unser Netzbetreiber) auf dem Markt verlangen. Leider hat uns der Netzbetreiber keine Chance auf einen fairen und diskriminierungsfreien Netzzugang einräumen wollen. Auch Gerichte, die Bundesnetzagentur und der Oberbürgermeister haben sich mit der Situation befasst, keiner konnte oder wollte uns und Ihnen wirklich helfen.
Auch wenn das Schicksal von 12 Mitarbeitern bei der Media-N sehr ungewiss ist, sind wir in den nächsten Tagen für Sie da. Unsere Mitarbeiter beraten Sie gerne über Alternativen zu unserem Zugang. Wir werden Ihnen die Telefonguthaben zurückerstatten und keine Lastschriften mehr von Ihren Konten einziehen. Alle Leistungen, die nicht an das Kabelnetz gebunden sind, werden wir weiter aufrecht erhalten, so auch den Mail-Server. Unser Servicecenter bleibt weiter geöffnet. Die sich im Einsatz befindlichen Kabelmodems bleiben im Eigentum der Media-N, sie dürfen durch andere Anbieter nicht genutzt werden. Für den Fall einer kurzfristigen Wiederaufnahme des Betriebes sollten die Kabelmodems mit dem Netz verbunden bleiben. Im Laufe der kommenden Woche folgen weiter Informationen zur weiteren Verfahrensweise (Vertragsabwicklung etc.).
Neubrandenburg, den 31.05.2008 19:00 Uhr"

Die Stadtwerke sehen die Ursachen für die jetzige Situation ganz anders:

"Bereits seit April 2007 war der Media-N GmbH das Ende der Vertragslaufzeit des Netznutzungsvertrages zum 31.12.2007 bekannt. Seit Ende 2007 hatte die Media-N GmbH im Klagewege versucht, das Vertragsverhältnis mit der Medianet KFA GmbH zu neuen, für die Media-N GmbH günstigeren Bedingungen zu verändern. In allen Fällen ist die Media-N GmbH mit diesem Ansinnen vor den Gerichten gescheitert.
Wir hatten der Media-N GmbH bereits in der ersten Januarwoche 2008 angeboten, den zum Ende des Jahres 2007 ausgelaufenen Netznutzungsvertrag um ein Jahr zu verlängern. Die Media-N GmbH lehnte dies ab.
Die Media-N GmbH weiß bereits seit einigen Monaten, dass auf der Grundlage des gerichtlich protokollierten Vergleichs der Netznutzungsvertrag zum 31. Mai 2008 ausläuft. Wir hatten rechtzeitig und auch mehrfach Termine für Verhandlungen dazu angeboten.
Die Media-N GmbH verweigert weiterhin die Zahlung der anerkannten Forderungen gegenüber unserem Unternehmen in Höhe eines sechsstelligen Betrages.
Um trotzdem den Abschluss eines neuen Vertrages zu erlangen, wurden in diesem Monat, auf unsere Initiative, bereits zwei Verhandlungsgespräche zwischen der Media-N GmbH und neu.sw geführt, am 16. Mai und am vergangenen Montag, dem 26. Mai 2008. Beide Gespräche verliefen leider ergebnislos und dienten nach unserem Empfinden eher der „Hinhaltetaktik“.
In einem am 28.05.2008 eingegangenen Schreiben verlangte die Media-N GmbH u. a. dann indirekt die Finanzierung der Fortführung der Media-N GmbH durch unser Unternehmen – mit einem Betrag in Höhe von ca. 1,7 Millionen Euro.
Trotz dieser nicht nachvollziehbaren Forderungen haben wir erneut Gespräche angeboten - für den 31. Mai und falls notwendig für den 1. Juni. Heute nun wurden diese Gespräche durch die Media-N GmbH abgelehnt.
All dies geschah unsererseits stets vor dem Hintergrund, schnellst möglich eine Entspannung im Sinne der Kunden der Media-N GmbH zu erzielen.
Wir fühlen uns von der Media-N GmbH erpresst und dürfen es im Sinne aller Stadtwerke-Kunden auch nicht zulassen, dass hier versucht wird, die Fortführung eines offensichtlich seit August 2007 in der Krise befindlichen Unternehmens durch den erneuten Versuch einer Subventionierung durch die Stadtwerke zu realisieren.
Mit völligem Unverständnis haben wir die heutige erneute, ultimative Ankündigung der Media-N GmbH uns gegenüber, für den Fall, dass wir deren Forderungen nicht bedingungslos folgen, durch die Media-N GmbH selbst deren Kunden am 31.05.2008 vom Netzzugang zu trennen, zur Kenntnis genommen.
Wir werden das Netz offen halten für alle Kunden der Media-N GmbH. Das bedeutet, wir sichern allen Media-N-Kunden zu, die Weiterversorgung für einen Übergangszeitraum von 14 Tagen kostenfrei mit den in unserem Unternehmen zur Verfügung stehenden Mitteln zu realisieren. Eine eventuelle Einstellung der Versorgung der Kunden der Media-N GmbH durch die Media-N GmbH selbst ist durch uns jedoch technisch nicht zu verhindern.
Im Fazit lässt die Vorgehensweise der Media-N GmbH in der Gesamtbetrachtung nur den Schluss zu, dass die Media-N GmbH eine Weiterführung des Vertrages gar nicht beabsichtigt. Sonst wäre ein Solcher mit Sicherheit zu Stande gekommen. Wir missbilligen, dass hier offensichtlich persönliche Interessen von Herrn Nötzel auf dem Rücken der Kunden der Media-N GmbH ausgetragen werden. So verantwortungslos darf ein Dienstleistungsunternehmen nicht mit seinen Kunden umgehen."

Holger_HansonAuch Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) hatte gegenüber dem Nordkurier noch am Freitag betont, dass die Stadtwerke der Media-N mehrfach Gespräche angeboten hätten. Es sei bedauerlich, dass es zu keiner Einigung gekommen sei.
Laut Stadtwerke-Chef Holger Hanson
könnten die Media-N-Kunden trotz der "Abschaltung" durch Media-N erst einmal weiter über das Stadtwerke-Kabelnetz telefonieren und das Internet nutzen.

Ein Knackpunkt der Verhandlungen war offensichtlich die Höhe der Netznutzungsgebühr, die die Media-N pro Monat und Kunden an die Stadtwerke zahlen musste. Laut des zuletzt gültigen Vertrages betrug die Summe knapp 10 Euro. Nötzel hatte deutlich weniger verlangt, um ein konkurrenzfähiges Angebot zur Fitflat-Offerte der Stadtwerke bieten zu können.

Mehr zu dem Thema garantiert in der kommenden Woche in der Neubrandenburger Zeitung,
Euer Lokal-Willi